Rolf Schneider hat neulich im Deutschlandradio Kultur ein politisches Feuilleton zum Thema „Metaphern sind Glücksache“ verfaßt. Er schrieb und sprach:
Eine gegenwärtige Vorzugsmetapher ist die Schnittmenge. Sie steht als Synonym für Gemeinsamkeit. Das hört sich etwa so an: Wir müssen prüfen, welche Schnittmengen wir mit denen haben. Der Ursprung des Begriffes ist in der Agrartechnik zu suchen. Beim Abernten eines Feldes per Werkzeug oder Maschine entsteht eine bestimmte Menge an gemähtem Korn oder Gras. Was die Benutzer der metaphorischen Schnittmenge anlangt, so meinen sie: gemeinsame Schnittmenge, was sie aber meistens nicht sagen. Jedenfalls wollen sie die partielle inhaltliche Übereinstimmung mit einem politischen Gegenüber ausdrücken.
Auch die gemeinsame Schnittmenge ist in der Landwirtschaft zu suchen. Zwei Parten, das wären zwei Besitzer, ernten zusammen eine einzige Fläche mit Feldfrüchten ab. Warum eigentlich sollten sie das tun? Sie kämen einander bloß in die Quere. Ernten wird deshalb bloß einer von beiden, und hinterher wird die Ernte geteilt. Oder sollen wir die Metapher in der Polygraphie orten? Wo beim Beschneiden von Buchblocks eine Menge von Schnitzeln anfällt, die reine Wegwerfware sind? Sagen wir es rundheraus: Die Verwendung der Metapher Schnittmenge ist nichts als verbaler Schrott.
Wahrscheinlich verkennt hier der Herr Schneider die mathematische Bildung der meisten Politiker, die wahrscheinlich im Gegensatz zu ihm in der Schule Mengenlehre hatten (und insbesondere Frau Merkel wird Herrn Schneider in Sachen Mathematik einiges voraus haben). Die Schnittmenge ist ein mathematisches Konzept und bedeutet die Menge aller gemeinsamen Elemente zweier Mengen. Für Gedanken, Ziele etc. sicherlich keine allzuschlechte Metapher.
Das Gesülze über Agrarökonomen hätte sich Herr Schneider sparen können. Beim nächsten Mal greife er zu Occam's Razor und überprüfe seine abstruse Theorie mit einer kurzen Suche bei Google, und siehe da, als ersten Treffer hätte er eine passende Erklärung des ihm unbekannten Konzeptes erhalten.
Manchmal liefern eben auch die Kritiker des „verbalen Schrotts“ nur, mit Verlaub, verbalen Schrott.
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